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Hirschlederne

Natürlich hat er eine an - immer. Eine lange im Winter und im Sommer kurze - mit und ohne Hosenträger. Breitbeinig steht er in seinem Reich: ein Laden mit Werkstatt direkt im Zentrum von Berchtesgaden. Hier empfängt Engelbert Aigner seine Kunden: einheimische Trachtler, wohlhabende Touristen, Berühmtheiten wie Rodel-Legende Schorsch Hackl und durchaus auch einmal einen Prinzen, zum Beispiel den von Saudi-Arabien.

Im Erdgeschoss mag es noch aussehen wie in vielen anderen Trachtenläden auch: viel Holz, eine Auswahl an Dirndl´n und Blusen, Janker, Loferl und Wadenstrümpf. Der erste Stock aber ist eine wahre Schatzkammer. Dort warten die handgenähten und maßgeschneiderten Hirschledernen auf ihre neuen Besitzer: in schwarz, dunkelbraun, antik und Olivtönen, verziert mit Stepp- oder Plattstickereien. Hier herauf kommen fast nur Männer. "Frauen schau´n einfach am schönsten aus im Dirndlg´wand," findet auch der Chef.

Natürlich geht es ganz ohne Frauen dann doch nicht. Hinter dem Verkaufsraum in der Werkstatt wuseln drei von ihnen geschäftig um einen großen Holztisch. Darauf liegt ein Stapel Hirschfelle. Ganz weich fühlen sie sich an. "Ein Fell reicht für eine Hose, ganz selten für zwei, für die langen braucht man dann eher scho´ zwei Hirsche", erklärt Elisabeth Schnöll während sie das Leder bügelt. Sorgfältig breitet sie es danach auf dem Tisch aus und fährt mit einem Zeichenbein aus Horn die Schablonen nach, die ihr Chef zuvor nach den Maßen der Kunden gefertigt hat. So kommt keine Farbe auf das Leder und die Markierungen werden nur leicht eingedrückt. Bis zu 33 Teile können es pro Hose werden. Engelbert Aigner schneidet die Stücke dann zu, das ist Chefsache, für´s Vernähen ist dann wieder Elisabeth zuständig.

Engelbert Aigner hat sich seine Lederhosenmanufaktur selbst aufgebaut. Eigentlich wollte er Instrumentenbauer werden, dann war aber eine Lehrstelle in einer Säcklerei frei. Seine Mutter überredete ihn - zum Glück -, seitdem sammelt er alles, was er zu traditioneller Lederhosenmacherei finden kann, vor allem alte Muster. Heute ist er einer der wenigen in Bayern, die noch per Hand Lederhosen fertigen. Und das wird auch so bleiben: Der älteste Sohn Engelbert ist schon in die Fußstapfen des Vaters getreten und auch der jüngste, Michael, interessiert sich für das Handwerk. Die Ausbildung zum Säckler dauert drei Jahre, die Schule ist in Mainburg bei Ingolstadt, Engelbert junior macht gerade seinen Meister.

Rund 25 Stunden arbeiten der Chef und seine Damen an so einem guten Stück, je nach Aufwand der Stickerei variiert der Preis zwischen 700 und 2500 Euro. "Des is a Hos´ für´s Leben," meint Engelbert Aigner, "man muss sie nur recht pflegen." Aber auf keinen Fall waschen und auch nicht chemisch reinigen: Speckige Flecken und Wassertropfen verschwinden mit der Bürste oder wenn man zwei Lederflächen aneinander reibt. Fettflecken kann man mit Hilfe von Löschblatt und Bügeleisen absaugen. Aber was will man auch mit einer Lederhose ohne Gebrauchsspuren. "Des g´hört scho´dazu," sagt auch der Chef und der muss es wissen.

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Weitere Informationen:

Engelbert Aigner
Metzgerstr. 1
83471 Berchtesgaden
Telefon: +49 (0)8652 8539
Telefax: +49 (0)8652 985595
E-Mail: info@lederhosen-aigner.de
Homepage: http://www.lederhosen-aigner.de


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