Wolfsauslassen

Wenn der Wolf durch das Dorf zieht

Wolfauslassen im Bayerischen Wald

Wenn der Wolf durch das Dorf zieht

Wolfauslassen im Bayerischen Wald

Ohrenbetäubender Lärm. Ein lauter Peitschenknall. Dröhnendes Glockengeläut. Einmal im Jahr herrscht im beschaulichen Ort Langdorf im Bayerischen Wald Ausnahmezustand. Am Wochenende vor dem St. Martinstag im November wird hier „der Wolf ausgelassen“.

Etwa 50 Männer und Frauen ziehen nachts durch den 2.000-Einwohner-Ort und bringen riesige Glocken zum Schallen. Dabei geraten sie ordentlich ins Schwitzen – einige der Glocken wiegen mehr als 20 Kilogramm. Das Wolfauslassen ist ein lautstarkes Spektakel und ein einzigartiger und ursprünglicher Brauch, der nur in einigen Orten des Bayerischen Waldes noch gelebt wird. Das Event ist ein spannender Szenetreff für Einheimische und Besucher.

Hans Wenzl gibt als Hirte den Takt vor.

Hans Wenzl führt als „Hirte“ die Wolfauslasser-Gruppe an. „Mein Großvater hat damals den Brauch in Langdorf wiederbelebt“, erklärt er. „Davor hat es das lange nicht mehr in der Art gegeben.“ Er selbst macht beim Wolfsaustreiben mit, seitdem er zwölf Jahre alt ist.

Hans Wenzl
Das Spektakel beginnt

Die Ursprünge des Wolfauslassens

Beim Wolfauslassen handelt es sich um einen niederbayerischen Hirtenbrauch aus dem 18. Jahrhundert. Er stammt aus einer Zeit, in der Wölfe und Bären den Bayerischen Wald durchstreiften. Um die wilden Tiere abzuschrecken, bekamen die Kühe Glocken umgehängt. Zusätzlich schnalzten die Hirten beim Abtrieb vom Schachten mit Geißeln in die Luft, was einen lauten Knall erzeugte. Das wird heute als Goaßlschnalzen immer noch beim Wolfauslassen betrieben.

Der Brauch sollte nicht nur Wölfe und Bären abschrecken. Die Hirten feierten vor allem das Ende eines erfolgreichen Weidejahres. Heutzutage ist der Weidebetrieb vielerorts eingestellt, doch der Brauch bleibt lebendig.

Das Wolfauslassen ist eine alte Hirtentradition.

Läutend und schnalzend ziehen die Wolfauslasser durch Langdorf

Bei Einbruch der Dunkelheit geht es los. Die Langdorfer Wolfauslasser treffen sich beim Rathaus und die Glocken werden verteilt. „Es ist eine Sache der Ehre, dass man sich eine möglichst große Glocke nimmt“, sagt Wenzl und schmunzelt. Dann läutet sich die Gruppe ein: „Wir stellen uns im Kreis auf und finden den gemeinsamen Rhythmus. Unsere Jüngeren lernen so außerdem, wie es geht“, erklärt Wenzl.

Wolfauslassen im Bayerischen Wald: Die Burschen finden einen gemeinsamen Rhythmus, bevor sie durch das Dorf ziehen.

Das Rathaus ist auch die erste Station des eigentlichen Wolfauslassens: der Bürgermeister empfängt die Gruppe. Sie läuten und Wenzl , der Hirte des Wolfes, sagt einen Hirtenspruch auf: „Mit´n Messer dastocha, midn Schlegl dahaud, dass se koa Wolf mea eina draut.“ Mit lautem Gedröhn und Peitschengeknall geht es vom Rathaus in Dreier- bis Vierer-Reihen weiter durch den Ort. Etwa um 1.00 Uhr nachts geht die anstrengende Tour zu Ende.

Eine einmalige Feierlichkeit für Einheimische und Besucher

Die Menschen in Langdorf identifizieren sich mit dem Brauch ihrer Vorfahren und halten so die Tradition des Wolfauslassens am Leben. Besucher bekommen bei dem traditionellen Event einen authentischen Einblick, was Bayern und seine Menschen ausmacht. Die Wolfauslasser freuen sich über ein großes Publikum: „Jeder ist uns willkommen“, sagt Wenzl stolz. „Vor allem am Anfang sind immer recht viele Leute da. Im Jahr 2015 waren es etwa 100 Zuschauer am Rathaus.“ Viele laufen dann noch ein Stück mit, vor allem für Kinder ist das Läuten und das Peitschenknallen ein großer Spaß.

Nächster Termin: Anfang November 2017

Die Wolfsauslasser versammeln sich
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Adresse: Langdorf
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Web: //www.langdorf.de
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