Kathrin und Stephanie Meyer

Bayerische Hopfenschwestern

Weibliche Brauerinnen in Bayern

Bayerische Hopfenschwestern

Weibliche Brauerinnen in Bayern

In Nesselwang im Ostallgäu ist die Welt noch in Ordnung. Weniger als 4.000 Menschen wohnen in dem beschaulichen Markt im hügeligen Voralpenland. Hier trottet schon mal eine Kuh über die Straße. Über sanft gewellte Blumenwiesen und kristallklare Seen hinweg sieht man die Alpen. Zur Kirche geht man in Tracht. Und typisch Bayern: Mittendrin wird natürlich auch Bier gebraut, in der Brau-Manufactur Allgaeu. Und zwar von Frauen.

'Früher war Bier etwas für Fußballclubs und Männerrunden. Heute ist es sexy und schick.'

Die Schwestern Kathrin und Stephanie Meyer führen die Brauerei in fünfter Generation. Stephanie ist Braumeisterin und Biersommelière, Schwester Kathrin kümmert sich um den Verkauf. Gemeinsam brauen sie unter dem Label “Braukatz” auch vier verschiedene Craft Biere und sind Teil einer neuen weiblichen Brauerbewegung. Dass Frauen in Bayern Bier brauen ist an sich nichts Neues: „Die meisten Brauerinnen, die ich kenne, waren schon vor 20 Jahren da“, erklärt Kathrin Meyer. Der Unterschied zu heute: „Man hat nicht über sie gesprochen.“

Braukatz No. 1

Heute gibt es ein großes Interesse an weiblichen Brauern und das ist Teil eines Kulturwandels: „Vor zehn Jahren galt Bier als etwas für Fußballclubs und Männerrunden. Es war etwas verstaubt“, erklärt Kathrin Meyer. „Heute ist es wieder sexy und schick. Es wird in feinen Gläsern serviert und man kann sich darüber unterhalten.“ Das liege dem weiblichen Zugang zum Bier näher, sagt Meyer.

'Die hohe Wertschätzung für das Produkt spricht Frauen an.'

Gerade in den traditionellen bayerischen Familienbrauereien sind Brauerinnen keine Seltenheit. Im Isental in Oberbayern steht der Bräu z‘ Loh der Familie Lohmeier. Die Brauerei liegt in der von wunderschön restaurierten Bürgerhäusern geprägten Kleinstadt Dorfen. Hier steht Barbara Lohmeier-Opper am Kessel. Den Schlüssel zum weiblichen Biergeschmack sieht sie in der bayerischen Brautradition: „In Bayern hat Bier eine extrem hohe Wertigkeit. Diese Wertschätzung für das Produkt spricht Frauen an.“

Barbara Lohmeier-Opper

Mit großer Hingabe braut auch Doris Engelhard ihr Bier. Sie ist Nonne im Orden der Mallersdorfer Schwestern und seit 1966 Brauerin in der Klosterbrauerei. Von ihrer Brauerei auf dem Klosterberg blickt Schwester Doris über die 7000-Seelen-Gemeinde Mallersdorf-Pfaffenberg. Ein idyllisches niederbayerisches Dorf, das eingebettet ist in das sanfte Labertal. Für Schwester Doris ist klar: „Bierbrauen ist Frauensache. War es immer schon“. Sie erklärt: „Bierbrauen gehörte früher zur Haushaltsversorgung dazu, wie das Brotbacken, und das war nun mal Sache der Frauen.”

'Bierbrauen ist Frauensache. War es immer schon.'

Gisela Meinel-Hansen von der Brauerei Meinel-Bräu im oberfränkischen Hof wünscht sich mehr weibliche Brauer: „Wir könnten noch deutlich mehr Frauen am Braukessel gebrauchen“, sagt sie. Die Braumeisterin führt die Brauerei in 12. Generation und hat gemeinsam mit ihrer Schwester Monika und zwei befreundeten Brauerinnen das Craft-Bier-Label “HolladieBierfee” gegründet.

Gisela Meinel-Hansen denkt, das Frauen für den Bierberuf mindestens genauso geeignet sind wie Männer: „Die körperliche Arbeit ist nur ein kleiner Teil des Berufes“, sagt sie. „Wichtiger ist das Interesse, die Kreativität und das Durchhaltevermögen.“

Doris Engelhard vom Orden der Mallersdorfer Schwestern
Die Bierfeen

Podcast 'Hockdiher'

Doris Engelhard vom Orden der Mallersdorfer Schwestern
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