Auf hölzernen Sohlen

Die Schuhmacher-Familie aus dem Allgäu

Auf hölzernen Sohlen

Die Schuhmacher-Familie aus dem Allgäu

Die Werkstätte ist voll mit Leisten, Holzstücken und surrenden Maschinen. Überall riecht es nach Holz, Leder und Leim. Auf einer Arbeitsbank stapeln sich Fellstücke und Gummisohlen. Im Regal dahinter lagert allerhand Werkzeug. Dazwischen sitzt Marco Keller in seiner Arbeitsschürze. Er legt gerade letzte Hand an einem Holz-Fellschuh an. Sorgfältig vernietet er das weiche Fell-Oberteil auf dem hölzernen Fußbett. Neben ihm summt unentwegt die Nähmaschine: Daran bearbeitet Marcos Vater Alfred Keller bereits ein Stück Lammfell für das Innenfutter des nächsten Schuhs.

Sie sind meistens gut beschäftigt, die Kellers. Denn mit ihrem handgemachten Schuhwerk hat sich die Familie weit über das Allgäu hinaus einen Namen gemacht. In ihrer Schuhmanufaktur fertigen sie Holz-Fellschuhe, Pantoffeln, Haferlschuhe sowie Berg- und Jägerschuhe.

Seit 2014 führt Marco Keller in dritter Generation den Betrieb, den sein Großvater 1943 gegründet hat. Die ganze Familie packt mit an: Vater Alfred, Mutter Edith und Marcos jüngerer Bruder Alexander Keller. Die Schuhmacher teilen sich die Aufgaben untereinander auf – von der Fertigung bis zum Verkauf im Laden.

Familie Keller

Schuhmacher im Allgäu – die Letzten ihrer Art

Die Kellers gehören zu den wenigen Schuhmachern in Deutschland, die das jahrhundertealte Handwerk noch ausüben. Holz ausfräsen, Felle ausstanzen, Oberteile und Innenfutter vernähen – Marco Keller und seine Familie arbeiten nach alt hergebrachter Tradition. Sie verwenden ausschließlich Naturmaterialien für ihre Holz-Fellschuhe. Das Kuhfell, das sie dem hölzernen Fußbett überziehen, verleiht den Schuhen ihr charakteristisches Aussehen. Dabei ist kein Paar gleich – je nach Fellfarbe bestimmen Brauntöne, Schwarz oder Weiß den Look. Das macht die flauschige Fußkleidung zum Hingucker.

„Jeder Schuh ist ein Unikat“, sagt Marco Keller. Der Traditionsverfeinerer absolvierte bereits seine Lehre im Familiengeschäft. Dort steht heute noch der Haferlschuh, den er bei seiner Gesellenprüfung angefertigt hat – sein erster selbstgemachter Schuh. „Ich bin ja quasi in der Werkstätte aufgewachsen“, erklärt er seine Leidenschaft für die Schuhmacherei.

Die Handarbeit bestimmt den Fertigungsprozess, wenngleich einige Arbeitsschritte maschinell unterstützt ablaufen. Sonst wäre die Herstellung zu aufwendig und ein Paar Schuhe unerschwinglich. In einem Holz-Fellschuh stecken etwa zweieinhalb Stunden Arbeit.

'Jeder Schuh ist ein Unikat.'

Für Haferlschuhe aus Leder, die die Kellers nach Maß anfertigen, sind mehr Handgriffe nötig. Rund 15 Arbeitsstunden investieren die Kellers in die Fußkleidung. Die schwarzen Haferlschuhe sind robust und passen zu jeder Garderobe. Vor allem die jungen Burschen tragen sie gerne zur Lederhose.

Wie der Holzschuh aus dem Allgäu die Welt erobert

Dass traditionelles Handwerk und modernes Leben keine zwei Paar Schuhe sind, beweisen die Kellers jeden Tag. „Wir produzieren Schuhe, die gebraucht und nachgefragt werden – etwa als Arbeits- oder Hausschuhe. Damit besetzen wir eine Nische“, sagt Marco Keller. Haltbar und bequem – diese Eigenschaften schätzen die Kunden an den Holzschuhen der Kellers. Das Holzbett ist wetterfest und hält die Füße trocken, wenn es draußen nass ist. Das Oberfell und das Innenfutter sorgen dafür, dass die Füße warm bleiben. Die Zeit kann den Holztretern nicht viel anhaben. „Wir kennen Kunden, die tragen unsere Schuhe 20 oder 30 Jahre lang“, so Marco Keller stolz.

Besonders beliebt ist die Fußkleidung auf den Märkten und Viehscheiden der Region – bei Einheimischen wie bei ausländischen Gästen. So entstehen Kontakte in die ganze Welt. „Aktuell bearbeiten wir einen Auftrag aus Kanada. Aber wir haben auch schon in die USA und nach Neuseeland geliefert“, sagt Marco Keller. Für die Schuhe der Kellers gibt es keine Grenzen.

Schuh Keller

Marco Keller
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Adresse: Ortsstr. 21, 87538 Bolsterlang/Kierwang
Tel: +49 (0)8326 7550
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E-Mail: Kontakt@Keller-Schuh.de
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Web: //www.keller-schuh.de
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