Restaurant SoulFood

Perfektionierte Einfachheit und Experimentierfreudigkeit in Auerbach

Restaurant SoulFood

Perfektionierte Einfachheit und Experimentierfreudigkeit in Auerbach

Annette Sandner von Culinary Pixel zu Besuch im SoulFood in Auerbach

Auerbach, in der Oberpfalz – nicht gerade der Ort, in dem man ein Sternelokal erwarten würde. Vorurteile über Vorurteile, schön, wenn es Anlass gibt, diese zu entkräften. Da hat sich mitten im Zentrum des traditionellen Städtchens ein Restaurant etabliert, dass auch noch einen englischen Namen trägt: „SoulFood“ ist Name und Programm.

Michael Laus und seine Lebensgefährtin Christine Heß sind verantwortlich für das moderne aber herrlich unaufgeregte Kleinod, in dem es einfach um gutes Essen geht. Klingt banal, ist es aber nicht. Lange nicht alle gehobenen Lokale scheinen noch im Blick zu haben, dass es vor allem schmecken soll, der Gast eine schöne Zeit haben will um sich eben rundum wohlzufühlen – will heißen: Soul Food. Dass gutes Essen die Seele erfreut ist kein Geheimnis, dass überwiegendes Entertainment in einem Unverhältnis zu ansprechender Würzung und erfreulichem Essen auf dem Teller inflationär vorkommt leider auch nicht. Umso schöner, dass es Köche wie Michael Laus gibt, die in ihrer Küche den Fokus vor allem auf eines legen: richtig gut zu kochen.

 

Für mich heißt es mittags von der Küche überraschen lassen, ich möchte probieren, was das Team am liebsten mag, was Saison hat, was für das SoulFood steht. Es ist noch Spargel-Zeit. Ein verspielter aber nicht verkünstelter Wald aus grünen und weißen Spargelköpfen, Wildkräutersalat, Tomaten und perfekt auf den Punkt gegarten Wachteleiern findet als erstes den Weg an meinen Tisch, auf einem halben Teller. Zusammen mit dem Dressing ist das wahrscheinlich einer der besten Spargel-Salate, die ich je gegessen habe, mit wachsweichen Eidottern kriegt man mich sowieso. Würde ich so jederzeit zu Hause essen (wollen).

Die Bayerischen Wurzeln kommen mit dem nächsten Gang aus der Küche: Der Schweinebauch auf frischem Brot ist herrlich: weich aber noch schön von der Struktur und vom Biss her. Darauf die knusprigen Krusteln und frischer Pfeffer, wie sich das für einen richtigen Schweinsbraten g’hört. Die Erbsensuppe setzt mit ihrer Leichtigkeit einen schönen Kontrast zum herzhaften Braten-Brot. Echt gut.

Die Leidenschaft zu Asien und der dortigen Küche teile ich mit Michael und Christine. Außerdem bin ich der weltgrößte Pulpo-Fan. Dass der Pulpo “Tokyo Style” so ziemlich ganz genau mein Ding ist, ist kaum verwunderlich. Ein Klassiker im unklassischen Sinne auf der Karte des SoulFood: die Gäste lieben die Schale mit der typisch Asiatischen Mischung aus Salz, Säure, Süße und Schärfe, gespickt mit knackigem Gemüse, fruchtiger Mango, zartem Pulpo, crunchigen Nüssen und einer sämig-klebrigen Sauce. Ich hätte davon gerne immer eine Portion bei guten und bei schlechtem Wetter, bei mieser und bei bester Stimmung, auf der Couch, zum Gala-Dinner und überhaupt: Das ist für mich Soul Food im Wortsinn.

Zu Tauben habe ich, um ganz ehrlich zu sein, ein zwiespältiges Verhältnis. Ganz oft ist mir das Fleisch zu mürbe, schmeckt mir zu “wild”, kommt zusammen mit zu viel Weihnachten und schweren Aromen in der Sauce. Das sage ich auch Michael und er schmunzelt, weil ich so positiv überrascht bin über seine Taube: Zart aber von der Struktur perfekt ist das Fleisch, die Haut knusprig und fein. Dazu die Jus mit einer Ausgewogenheit zwischen Fülle, Würze und etwas Säure, Sellerie und Rüben leicht erdig und absolut harmonisch. Ich bin begeistert.

Na gut, die Zeit, in der Erdbeeren und Rhabarber aus der Region zu bekommen sind, ist Dessert-technisch unschlagbar. Etwas Gutes daraus zu zaubern bleibt trotzdem eine Kunst. Eine noch größere Kunst ist, eine gewisse Einfachheit zu perfektionieren – und die subtil abgestimmten Komponenten von Erdbeere, Rhabarber und weißer Schokolade tanzen hier schon ein ziemlich perfektes Ballett!

Die Bayern im Allgemeinen und die Oberpfälzer im Speziellen sind um noch einmal in Vorurteilen zu sprechen, nicht gerade die experimentierfreudigsten oder ständig auf der Suche nach Neuem. Schon gar nicht, wenn es um’s Essen geht. Hier auf dem Land ein Lokal wie das SoulFood zum einen auf gehobenem Niveau, zum anderen mit zum Teil asiatisch inspirierten Kreationen auf der Karte zu eröffnen erfordert Mut und Überzeugung. Dass die Reaktionen zu Anfang gemischt ausfielen, mit „das braucht’s nicht“ kommentiert wurden, oder Skepsis über die Ingredienzien herrschte: vorherzusehen. Wer seinen Weg konsequent verfolgt, wird glücklicherweise aber zumeist belohnt: nach und nach finden neben den bis zu 1,5 Stunden anreisenden Gourmets und Stammgäste auch immer mehr Einheimische ins SoulFood, die die g’schmackigen Gerichte aus der verwinkelten Küche von Michael Laus in ihr Oberpfälzer Herz geschlossen haben.

 

Menü