Wie vom anderen Stern

Meyers Keller in Nördlingen

Wie vom anderen Stern

Meyers Keller in Nördlingen

Die meisten Sterneköche durchlaufen viele Stationen in den großen Häusern, bis sie ihr eigenes Restaurant eröffnen. Bei Joachim Kaiser war das ein wenig anders: Er ist Autodidakt und mittlerweile dennoch – oder deswegen? – mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Von Beginn an spielte Nördlingen eine wichtige Rolle für seine Küche: „Meine Frau und ich waren immer der Meinung, dass man diese Region mit all ihren Besonderheiten schmeckbar machen müsste.“

'Meine Frau und ich waren immer der Meinung, dass man diese Region mit all ihren Besonderheiten schmeckbar machen muss.'

Den Grund dafür versteht man, wenn man ein wenig in die Erdgeschichte zurückschaut: Ein Meteorit schlug vor 14,5 Millionen Jahren ein und schuf das Nördlinger Ries: Die kreisrunde Ebene von 25 Kilometern Durchmesser ist der Einschlagkrater, der von einer markanten Hügelkette von rund 100 Metern Höhe umschlossen wird – dem Kraterrand.

Joachim Kaiser im Meyers Keller

Als hätten die Menschen vor Jahrhunderten eine besondere Liebe zur Symmetrie gehabt, liegt fast in der Mitte dieses Kraters ein weiterer Kreis, wie mit dem Zirkel gezogen: Die einstige Freie Reichsstadt Nördlingen, mit dem komplett erhaltenen Rund ihrer Stadtmauer. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lag Nördlingen für Jahrhunderte im Dornröschenschlaf und zeigt uns ein intaktes Stadtbild, wie man es in Deutschland nur noch selten findet.

'Im Umkreis von wenigen Kilometern bekomme ich alles was man für eine anspruchsvolle Küche braucht.'

Um diese besondere Region in seinem Restaurant Meyers Keller schmeckbar zu machen, ist Joachim Kaiser immer auf der Pirsch nach alten Rezepten, längst vergessenen Zutaten und Handwerkstraditionen. Dabei kann er aus den Vollen schöpfen. „Das großartige ist, dass ich im Umkreis von wenigen Kilometern alles bekomme was man für eine anspruchsvolle Küche braucht. Das Ries ist unglaublich fruchtbar und auf kleinem Raum gibt es hier vollkommen unterschiedliche Böden. Deshalb kann man hier vom Spargel bis zur Kartoffel alles anbauen.“

Gastraum in Meyers Keller
Joachim Kaiser in der Küche

Ein wichtiges lokales Lebensmittel ist für Joachim Kaiser Bier. Kein Wunder, schließlich war seine Mutter eine der ersten Frauen überhaupt, die den offiziellen Braumeistertitel trugen. Joachim Kaiser will dem Bier wieder den Platz zuweisen, den es seiner Meinung nach verdient: als ebenbürtige Alternative zu Wein.

'Man muss nur ein bisschen über das Bier erzählen und schon ist die Neugier geweckt.'

Da passt es, dass wenige Kilometer von Nördlingen entfernt eines der edelsten Biere gebraut wird, die es in Deutschland gibt: Das Champagnerbier des Fürstlichen Brauhauses Wallerstein. Es kommt in Meyers Keller zusammen mit ausgewählten anderen Bieren zum Einsatz – auch als Begleitung zu den edelsten Menüs. Aber stutzen die Gäste da nicht? „Ach wo“, entgegnet Joachim Kaiser lachend. „Man muss nur ein bisschen über das Bier erzählen. Dann ist ganz schnell die Neugier geweckt und die Menschen lassen sich darauf ein.“ Und tatsächlich: Das vorgeschlagene Weißbier passt ganz hervorragend zum Fischgericht mit seiner leicht herb-bitteren Note und seinen Citrusaromen. Wer hätte das gedacht!

Champagnerbier

Torsten Goffin zu Gast im Meyers Keller

Seit 2009 betreibt er sein eigenes Blog „Allem Anfang – über Essen, Trinken und andere Formen von Kultur“. Nun hat Torsten den Meyers Keller in Nördlingen besucht.

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Meyers Keller
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Adresse: Marienhöhe 8, 86720 Nördlingen
Tel: +49 (0)9081 4493
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E-Mail: restaurant@meyerskeller.de
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Web: http://www.meyerskeller.de/
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