Kuhschellenschmied Kilian Trenkle bei der Arbeit

Der Sound für die Almen

Kuhschellenschmied Kilian Trenkle

Der Sound für die Almen

Kuhschellenschmied Kilian Trenkle

Die Flammen lodern aus der offenen Feuerstelle des massiven Eisenofens. Kilian Trenkle schürt das Feuer, platziert ein Metallblatt mitten hinein, erhitzt es, bis es weich wird und sich verformen lässt. Es wird einige Stunden dauern, bis Trenkle in Handarbeit aus dem Metall eine Kuhschelle geschmiedet hat. Er ist einer der wenigen, die dieses Handwerk noch beherrschen. „Schellen und Glocken sind auf den Almen ja extrem wichtig. Die Hirten wissen dadurch, wo ihre Herden sind und ob die Herde komplett ist.

'Schellen und Glocken sind auf den Almen extrem wichtig.'

Außerdem soll das Schellengeläut traditionell auch die bösen Geister fernhalten“, erzählt er. Das Schellenschmieden hat Trenkle von seinem Vater gelernt, das Feuer der Schlosserei und Schellenschmiede “Beim Hummelbaur” in Pfronten-Heitlern lodert heute bereits in vierter Generation.

Kuhschellen

Der warme Feuerschein, das dumpfe Schlagen des Hammers, die bedachten Bewegungen des Schmieds – das Schellenschmieden hat etwas Meditatives. Es passt, dass Trenkle auch Yoga zum Beruf gemacht hat. Schmieden sei nie eine Verpflichtung für ihn gewesen, sagt er.

Das Schellenschmieden hat etwas Meditatives

In der Berufswahl war er damit frei: „Nach dem Abi habe ich erst mal als Produktdesigner einen Kopfstandhocker fürs Yoga entwickelt. Ich gab ihm den Namen FeetUp und begann, ihn über das Internet zu vertreiben.“ Mit Erfolg. Barcelona, London, Amsterdam – der Kopfstandhocker war schnell gefragt und Kilian stellte seine Idee immer wieder auch auf Yoga-Konferenzen und Messen vor. Über die Jahre ist ein kleines Familienunternehmen daraus entstanden.

Yoga in der Werkstatt

Yoga und alles was damit zu tun hat, bezeichnet Trenkle gerne als seine weiche Seite. Als das komplette Gegenteil des archaischen, kraftvollen Schellenschmiede-Handwerks. Dieser Kontrast reizt ihn.

'Schmied ist der schönste Beruf der Welt'

„Das Schellenschmieden habe ich dann mit Anfang zwanzig für mich entdeckt. Neben dem Yoga nimmt das Schmieden inzwischen mehr und mehr Zeit ein. Mich fasziniert es immer wieder aufs Neue, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen. Heute ist für mich klar: Schmied ist der schönste Beruf der Welt.“

Flammen auf der offenen Feuerstelle

Rund 1.000 Schläge benötigt der Pfrontener, bis er aus zwei flachen Stahlblechen die beiden gewölbten Hälften der Schelle geformt hat, dann schweißt er die Naht. Zum Schluss hängt Trenkle den Klöppel ein, der beim Ans-Blech-Schlagen den charakteristischen Schellen-Klang erzeugt. „Das Weidegeräusch wird perfekt, wenn das Engelsgeläut der Glocken und der erdige Sound der Schellen gemischt sind“, weiß Trenkle.

Das Engelsgeläut der Glocken und der erdige Sound der Schellen

„Ja, das Geläut von Kühen gehört im Allgäu zum Bergsteigen einfach irgendwie dazu“, schwärmt Trenkle mit der fertigen Schelle in der Hand. Und richtig: Ohne den besonderen Klang, das bunte Bimmeln und Läuten einer Kuhherde auf der Alm wär der Bergsommer wohl nur halb so schön.

Kuhschellenschmied Kilian Trenkle bei der Arbeit

Podcast 'Hockdiher'

Kuhschellenschmied Kilian Trenkle bei der Arbeit
Kilian Trenkle
/
Adresse: Allgäuer Str. 53, 87459 Pfronten
/
E-Mail: kilian@feetup.de
/
Web: http://www.kiliantrenkle.de
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