Glaskunst

Nachwuchs an den Brennlampen

Glasbläser Sigi Franz

Nachwuchs an den Brennlampen

Glasbläser Sigi Franz

Die Burg im oberbayerischen Burghausen ist mit 1051 Metern Länge die längste Burganlage der Welt. Von ihren Mauern hat man einen überwältigenden Blick auf die denkmalgeschützte Altstadt mit ihren hell gestrichenen Bürgerhäusern. Die Einkaufsmeile hier heißt Grüben und schon im Mittelalter haben sich in ihren spätgotischen Gebäuden viele Handwerker niedergelassen. Heute findet man hier immer noch viele traditionelle Werkstätten. Eine davon ist der Glaspunkt von Sigi Franz.

'In ganz Deutschland gibt es nur noch rund 70 Meister.'

Franz ist Meister im Glasapparateblasen. Der 50-Jährige stellt immer noch Glasapparate für Industrie und Forschung her, doch hauptsächlich bläst er heute Kunstwerke. Sein Berufszweig hat an sich Nachwuchssorgen. „In ganz Deutschland gibt es nur noch rund 70 Meister“, sagt Franz. Jedes Jahr fangen nur rund zehn Personen die Ausbildung an. Doch bei Franz stehen gleich drei junge Burschen an den Brennlampen. Er zählt stolz auf: „Der Alex ist 22 und seit 1,5 Jahren Geselle bei mir. Andreas ist 24, wird im August seine Gesellenprüfung ablegen und dann auch fest eingestellt. Der jüngste ist mein Sohn Christopher, 19, der ist in einem Jahr fertig.“

Portrait Sigi Franz

Durch die drei jungen Burschen geht es im Werkstattatelier lebhaft zu. Während die Handwerker das Glas in den Flammen drehen und ihm mit verschiedenen Temperaturen zu Leibe rücken, läuft Musik und immer wieder schallt Lachen durch den Raum. Die ausgestellten fertigen Skulpturen sind ein Rausch aus Farben und Formen: Abstrakte Kugelgebilde stehen neben Tierskeletten in Lebensgröße. „Diese kreative Vielfalt geht auch auf meine Jungs zurück“, erklärt Franz. „Ich lasse ihnen den Freiraum, ihre Ideen zu verwirklichen.“ Das ist sehr wahrscheinlich einer der Gründe, warum er keine Nachwuchssorgen hat. Er hat außerdem viel Geduld mit den Jungs. „So kommt man viel weiter“, sagt er und erinnert sich. „Das war in meiner Ausbildung noch ganz anders, die war sehr streng.“

In Bayern floriert das Handwerk.

Der Glaspunkt ist nur einer der vielen florierenden Glashandwerksbetriebe im Landkreis Altötting. Franz: „Wir haben hier ungefähr 50 Glasbläser und damit die höchste Glasbläserdichte Deutschlands.“ Darunter sind gelernte Glasapparatebläser wie Franz und viele Glasbläser, aus dem eng verwandten Berufszweig.  Außerdem gibt es hier auch viele Autodidakten. Franz möchte dieses Umfeld nutzen und Burghausen zu einem Nachwuchszentrum für Glasbläserberufe machen. Er erklärt: „Ich plane meinen Jungs, den Glaspunkt in 1,5 Jahren schuldenfrei zu übergeben. Ich wäre dann nur noch als Tutor dabei und wünsche mir, dass sie ihn in den Richtlinien einer Stiftung weiterführen, in denen der Nachwuchs gefördert wird.“

Werkstatt Glaskunst
Moderne Glaskunst

Vorbild sind zwei Institutionen in Italien. In Bozen und in Murano können ausgelernte Nachwuchsglasbläser unentgeltlich Aufbauseminare belegen. Gefördert werden diese Zentren unter anderem vom europäischen Sozialfonds. Der Hintergrund ist, dass es sehr lange Zeit braucht, um ein Gefühl für Glas zu entwickeln. Die Ausbildung an der Glasfachschule dauert drei Jahre. „Bis man betriebsreif ist, dauert es aber bei fast jedem sieben Jahre“, sagt Franz. Wenn alles wie geplant läuft, werden junge Handwerker das richtige Gefühl bald auch im Glaspunkt lernen können. „Wir sind schon in Verhandlungen mit der Glasfachschule Zwiesel“, sagt Franz. Er stellt sich mit seinen Plänen auch bewusst gegen den Akademisierungsdrang in Deutschland und sieht in Bayern den richtigen Stützpunkt: „Wir haben hier ein irrsinniges Potential, was das Handwerk betrifft. Das muss erhalten werden.“

Glasverarbeitung
Glaspunkt
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Adresse: In den Grüben 140, 84489 Burghausen
Tel: +49 (0)8677 - 913815
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E-Mail: info@glaspunkt.de
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Web: http://www.glaspunkt.de
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