Robert Peisl, Eisstock Drechsler, in seiner Werkstatt in Kroening

Die Sehnsucht nach Eis

Eisstockschießen in Niederbayern

Die Sehnsucht nach Eis

Eisstockschießen in Niederbayern

Warm eingepackt steht Robert Peisl am winterlichen Weiher. Er rückt seine Wollmütze noch ein wenig tiefer über die Ohren, nimmt seinen Eisstock und betritt das zugefrorene Gewässer, wo Nachbarn und Bekannte schon auf ihn warten. Wie eh und je ist Wildes Eisstockschießen für nicht wenige Bewohner des niederbayerischen Dörfchens Kröning im Winter ein beliebter und kurzweiliger Zeitvertreib.

'Im Winter ist es ja eher ruhig im Ort. Das Eisstockschießen ist da ein ganz guter Anlass, möglichst regelmäßig für ein paar Stunden zusammenzukommen'

Auf der Eisfläche räumen sie dazu gemeinsam eine lange, breite Bahn frei und folgen den simplen Spielregeln: Am Ende der Spielfläche liegt ein Holzklotz, die sogenannte Daube. In Mannschaften aufgeteilt versuchen die Spieler nun reihum, ihre Eisstöcke möglichst nahe an diese Daube zu schwingen. Oder die geschickt platzierten gegnerischen Eisstöcke rauszuschießen.

Robert Peisl, Eisstock Drechsler, in seiner Werkstatt in Kroening

Für die Spieler und Zuschauer steht der gemeinschaftliche Charakter im Mittelpunkt. „Im Winter ist es ja eher ruhig im Ort. Das Eisstockschießen ist da ein ganz guter Anlass, möglichst regelmäßig für ein paar Stunden zusammenzukommen und das Dorfleben a bissl zu pflegen“, erzählt Robert Peisl.

'Eine Auswahl an Stöcken in Standardausführung habe ich eigentlich immer auf Lager'

Neben dem Spiel tauschen sich Alt und Jung über die Neuigkeiten im Dorf aus, stärken sich an den mitgebrachten Plätzchen und genießen den warmen Tee und Glühwein. Auch Eltern mit Kindern nutzen die gemeinsamen Nachmittage auf dem Eis gerne, um sich mit Freunden und Nachbarn zu treffen. Denn jeder, der möchte, kann mitspielen.

Robert Peisl, Eisstock Drechsler, in seiner Werkstatt in Kroening

Die Drechselkünste von Robert Peisl sind auch auf dem Eis sehr gefragt. Schließlich entstehen in seiner kleinen Werkstatt neben Gebrauchsgegenständen vor allem Eisstöcke. „Eine Auswahl an Stöcken in Standardausführung habe ich eigentlich immer auf Lager. Denn sowie die Temperaturen anziehen und es längere Zeit kalt ist, steigt die Nachfrage.“

Jenen, die sich zum ersten Mal am Eisstockschießen erproben wollen, verleiht Robert Peisl auch Eisstöcke aus der Werkstatt. „Da kann man erst mal einen Nachmittag lang sehen, ob’s einem taugt.“

'Den grundlegenden Schwung zu kriegen – das muss man lernen.'

Bevor die Eisstöcke das erste Mal in der Saison gefühlvoll über den zugefrorenen Weiher geschoben werden können, braucht es Geduld: Es muss lang genug ordentlich kalt sein, bis das Eis dick ist und trägt. „Wenn es dann soweit ist, versuchen wir schon, so oft wie möglich zu spielen. Auch unter der Woche, abends, nach der Arbeit. Da bauen wir dann einfach eine kleine Flutlichtanlage auf“, verrät Robert Peisl, der Maschinenbauer ist und nebenberuflich drechselt.

Robert Peisl, Eisstock Drechsler, in seiner Werkstatt in Kroening

Ist das Wilde Eisstockschießen eigentlich schwer? – „Klar, ein bisschen Übung braucht’s schon“, weiß Robert Peisl. „Man braucht das Gefühl für das Gewicht in der Hand. Dann das Gefühl dafür, wie schnell das Eis ist. Den grundlegenden Schwung zu kriegen – das muss man lernen. Na ja, und ein bisschen Zielwasser sollte man auch haben …“

Apropos „Zielwasser“ – Das gehört für die erwachsenen Spieler auch zum gemütlichen Beisammensein auf dem Eis. „Das hält sich natürlich alles in Grenzen. Es ist ja bekannt, dass zu viel Alkohol die Gefäße weitet und man dann eher auskühlt“, schmunzelt der Eisstock-Enthusiast, bevor er sich seinen Eisstock schnappt und zielt.

Robert Peisl, Eisstock Drechsler, in seiner Werkstatt in Kroening
Drechslerei Robert Peisl
/
Adresse: 84178 Kröning in Bayern
/
Web: http://www.drechslerei-peisl.de/
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