Zurück zu den Wurzeln

Buckelwiesen bei Mittenwald

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Buckelwiesen bei Mittenwald

Es ist 5 Uhr in der Früh. Tau liegt auf der Buckelwiese im kleinen Wallgau und bedeckt Blumen, Kräuter und Gras mit Tausenden Tröpfchen. Der perfekte Zeitpunkt, um zu mähen.

Bedächtig stapft Manfred Schmidt durch das feuchte Grün. Mit einem Hieb fährt er die Sense durch die Halme – liebevolle Handarbeit für den Erhalt der Buckelwiese: einer besonderen Kulturlandschaft, die die Menschen, die in ihr leben, bereits seit dem 8. Jahrhundert prägt. Immer wieder setzt der 76-Jährige ab, zieht den Wetzstein aus der Tasche und schärft besonnen sein Werkzeug. „Sonst habe ich keine Freude an der Mahd“, sagt er.

Langsam geht über dem Gebiet um Mittenwald die Sonne auf und taucht die Alpenwelt Karwendel in ein besonderes Licht. Vollkommene Ruhe – nur das zischende Geräusch der Sense durchbricht die Stille. Es sind die Momente, die Manfred Schmidt besonders liebt.

Buckelwiese: Seltene und artenreiche Kulturlandschaft

Hier im kleinen Ort Wallgau – gelegen zwischen Krün und Mittenwald – erfüllt sich der pensionierte Heizungsinstallateur einen Lebenstraum: eine 15.000 Quadratmeter große Buckelwiese. Mit seinem Grund hat er ein kostbares Kulturgut erworben: Die Buckelwiesen in der Region um Mittenwald stehen unter Naturschutz. So soll ihr seltener Artenreichtum erhalten werden.

Entstanden zum Ende der Würmeiszeit sind die Bodenformationen aus Buckeln und Mulden eine Besonderheit, die es so nur noch im alpinen Raum gibt. Damals formen Frost- und Verkarstungsprozesse auf dem kalkreichen Untergrund eine Buckelflur aus Tausenden einzelner Hügel von 50 bis 100 Zentimetern Höhe. Bis heute ist sie das Zuhause für viele zum Teil stark gefährdete Schmetterlings-, Insekten- und Pflanzenarten.

Enzian, Thymian, Schafgarbe, Arnika, Spitzwegerich, Berg-Klee, Augentrost oder Katzenpfötchen: Auf dem Sauerboden der Buckelwiesen in der Region um Mittenwald wachsen mehr als 200 verschiedene Kräuter, die auf anderen Wiesen schon lange nicht mehr existieren. Grund dafür ist, dass die Buckelwiesen noch nie gedüngt wurden – und regelmäßig gemäht werden.

Buckelwiesen in der Alpenwelt Karwendel

Mühevolle Handarbeit für die Natur bei Mittenwald

Eine Aufgabe, der sich Manfred Schmidt mit Herzblut verschrieben hat: Er mäht die Buckelwiese traditionell mit der Sense – einmal im Jahr, immer Mitte Juli. So trägt er einen wichtigen Teil zum Erhalt der Kulturlandschaft in der Alpenwelt Karwendel bei. Denn werden die Wiesen nicht gemäht, wachsen sie mit Gehölzen zu. Deshalb ist in der Vergangenheit aus vielen Flächen Wald entstanden.

Zudem begradigen die Bauern die Buckelflure in den 1920er Jahren zum großen Teil planmäßig, um die Fläche leichter bewirtschaften zu können. Das ist heute allerdings verboten – es gilt, die Restbestände der Buckelwiesen in der Gegend rund um Mittenwald zu schützen.

Manfred Schmidt bei der Arbeit in den Buckelwiesen

In Wallgau ist es mittlerweile 9 Uhr. Seit Stunden schwingt Manfred Schmidt seine Sense – eine körperliche Plagerei, wie er selbst sagt, die ihm jedoch große Freude bereitet: „Weil ich die Natur liebe und durch Handarbeit mit ihr verbunden bin.“ Mit der Maschine würde er die Buckelwiese nie mähen: „Die macht erstens einen Riesenkrach und zweitens würde ich damit die guten Kräuter gar nicht erfassen“, erklärt er. Die besonderen Heublumen verarbeitet seine Frau Inge Schmidt später liebevoll zu duftenden Kräuterkissen, die in ein paar Läden im Umkreis und natürlich bei den Schmidts selbst verkauft werden.

In jedem der kleinen Heukissen steckt ein bisschen Buckelwiese – und damit ein Stück der wertvollen Kulturlandschaft bei Mittenwald, die Manfred Schmidt pflegt und hegt, solange er kann. Wer möchte, kann ihm dabei gerne helfen, sagt er: „Jeder ist herzlich willkommen mit anzupacken, wenn er Lust und Liebe für die Natur hat.“ Gäste können sogar bei ihm wohnen – Manfred Schmidt hat drei Ferienwohnungen in Wallgau, die er das ganze Jahr an Urlauber vermietet. „Die Gegend hier ist wunderbar, da können Sie 20 Jahre lang herkommen und immer wieder etwas Neues entdecken“, schwärmt der 76-Jährige.

Urlaubstipps:

Kirche von Wallgau

Alpenwelt Karwendel

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Adresse: Dammkarstraße 3, 82481 Mittenwald
Tel: +49 (0)8823 33 981
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E-Mail: info@alpenwelt-karwendel.de
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Web: //www.alpenwelt-karwendel.de
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