Bayerische Biergartenkultur

Schönstes Masshalten

Die Bayerische Biergartentradition

Schönstes Masshalten

Die Bayerische Biergartentradition

Bayern ohne Biergärten? Nicht auszudenken! Mit Freunden oder mit der Familie in geselliger Runde zusammenzusitzen, auch mit den Tischnachbarn anzustoßen – das hat eine lange Tradition. Dass die Bayern heute im Sommer oft und viel unter schattenspenden Bäumen ein Bier trinken, haben sie einem früheren Problem der Bierbrauer zu verdanken:

Im 16. Jahrhundert beschäftigte besonders die Münchener Brauer die Frage, wie sie ihre Bierfässer im Sommer am besten kühlen können. Tief in die Erde konnten sie nicht gehen; das schloss der hohe Grundwasserspiegel der Stadt aus. Stattdessen lagerten sie die Fässer in Kellern direkt unter der Erde. Obenauf pflanzten sie Schatten spendende Kastanien, so dass das Bier auch an warmen Sommertagen ausreichend gekühlt war.

Die Lösung eines Problems erschuf die Biergartentradition

Schon bald wurden Ausflügler auf diese schönen, lauschigen Plätze aufmerksam. Die Brauer begannen, ihr Bier an sie zu verkaufen. 1812 legalisierte König Max I. Joseph das Schankrecht. Speisen durften indes nicht verkauft werden – weshalb die Gäste ihre eigene Brotzeit mitbringen konnten.

Biergarten in Regensburg
Bayerische Biergartenbrotzeit

Sobald es warm genug ist, sind Biergärten heute vor allem für viele Städter das zweite Wohnzimmer. Kein lauer Abend, kein Wochenende vergeht ohne den Biergarten zu besuchen. Gesellig geht es dort zu: Auf den Bierbänken wird zusammengerückt, man prostet sich immer wieder zu, es wird sich schnell geduzt.

Auf den Bierbänken wird zusammengerückt und sich zugeprostet

Kein Frage, Biergärten sind Orte der Entschleunigung. In ganz Bayern sind sie heute zu finden. Am Seeufer wie am Gipfel, im Bayerischen Wald wie im Allgäu. Mit einer Besonderheit indes wartet Franken auf:

Die nordbayerische Region sticht durch eine außerordentlich hohe Dichte an Brauereien hervor, vor allem Oberfranken mit seinen 160 Brauereien. In kaum einer anderen Region dürfte eine derart ausgeprägte und vielseitige Bierkultur gepflegt werden.

Bierkeller in Bamberg

In Oberfranken ist der Biergarten häufig ein Bierkeller. Dafür machten sich die Brauer einst die natürlichen Gegebenheiten zunutze. Sie errichteten ihre Bierlager oft am Ortsrand, in den Sandsteinhängen der Hügel und Berge. Der Vorteil der Keller: Ohne zusätzliche Kühlung bleiben die Temperaturen bei konstant acht Grad – genau richtig für das Bier.

Bayerische Schmankerl gehören zu jedem Biergartenbesuch

Zu einem echten Biergarten gehören klassische Biergartengerichte. In jedem Fall Obazda (eine pikante Käsezubereitung), Radi (weißer Rettich) und eine große Brezn, die am besten ganz frisch aus dem Ofen kommt und noch warm ist.

Ganz wichtig im Biergartenvokabular: Eine “Mass”, die immer kurz betont wird und womit ein Liter Bier im Henkelglas gemeint ist. Soll’s weniger sein, bestellt man im oberbayerischen Biergarten eine “Halbe” oder in Franken ein “Seidla” und bekommt einen halben Liter Bier.

Obazda und Radieserl
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