Bernhard Rieger

Fassaden, die Geschichten erzählen

Bernhard Rieger, Lüftlmaler und Künstler

Fassaden, die Geschichten erzählen

Bernhard Rieger, Lüftlmaler und Künstler

Als Johann Wolfgang von Goethe 1776 auf seinem Weg nach Italien durch Mittenwald in Oberbayern reiste, geriet er ins Schwärmen. Ein „lebendiges Bilderbuch“ sei der Ort, sagte er, als er die farbenfrohen Lüftlmalereien auf den Fassaden der Bauernhäuser sah. Viele davon sind in Mittenwald und den Nachbarorten bis heute erhalten geblieben – und erzählen Besuchern die gleichen Geschichten wie dem Dichterfürsten: Holzarbeiter und Flößer von damals gehen ihrer harten Arbeit nach, der heilige Christophorus trägt das Jesuskind über den Fluss und bei einer fröhlichen Wirtshausszene wird ausgiebig gefeiert. Der Künstler Bernhard Rieger kommt aus dieser Region und pflegt die traditionelle Kunstform dieser alten Technik des Lüftlmalens bis heute.

Riegers Atelier steht mitten in der 2.000-Einwohner-Gemeinde Krün im Werdenfelser Land, wo bei klarem Wetter neben Karwendel und Wetterstein die Zugspitze zu sehen ist. Auf dem Weg in das kreative Refugium des 34-Jährigen kommt man an mehreren Lüftlmalerien vorbei. In seinem Schauraum „Almbiente“ zeigt der Künstler Besuchern – „bitte vorher anmelden“ – einen Querschnitt seiner Arbeiten: Alpin-PopArt, heimatliche Motive auf Leinwand, die im PopArt-Stil Andy Warhols inszeniert sind. Daneben Einrichtungsgegenstände und Dekorationen seines Labels „Alpenterieur“, die er entwirft und sein Bruder Wolfgang aus Altholz und historischen Baustoffen von alten Bauernhäusern schreinert. Und seine Lüftlmalereien natürlich.

Atelier Bernhard Rieger
Künstler Bernhard Rieger

„Streng genommen sind viele meiner Arbeiten eher Fassadenkunst“, erklärt Rieger und zeigt eine Fotografie von der Fassade des Hotels Rheinischer Hof im benachbarten Garmisch-Partenkirchen, auf der zwei Bergsteiger aus verschiedenen Epochen gemeinsam einen Berg erklimmen. „Traditionelle Lüftlmalerei bezieht sich auf das Arbeiten mit mineralischen Farben und es werden meist bäuerliche und religiöse Motive dargestellt, wie es im 18. Jahrhundert üblich war.“ Rieger beherrscht die alten Techniken, arbeitet häufig aber mit modernen Farben und Motiven. „Nicht so streng genommen kann man auch solche Arbeiten wie am Rheinischen Hof als Lüftlmalerei bezeichnen“, sagt er. „Sie halten aufgrund der modernen Putz- und Farbtechnik aber nicht derart lange wie die Arbeiten damaliger Künstler.“

'Ich mochte schon als Kind die Lüftlmalereien.'

Dass Rieger zur Lüftlmalerei kam, hat mit Heimatliebe zu tun: Er ist zwar in München geboren, das aber „zufällig“, wie er sagt, da sich seine Mutter zum Zeitpunkt seiner Geburt bei ihren Eltern im Dachauer Land befand. Aufgewachsen ist Rieger in seinem Heimatort Wallgau, gleich neben Krün. Dort steht auch seine Altholzmanufaktur, in der er seinen Bruder beschäftigt. „Ich mochte schon als Kind die Lüftlmalereien und wollte das später auch machen“, sagt Rieger. In seiner Schulzeit malte er, bekam sogar Aufträge, und nach dem Abitur brachte er sich die Lüftlmalerei selber bei. Das Spezialwissen über die chemischen Prozesse lernte er zum Teil aus alten Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert – und er kann Lüftlmalereien an eine Wand bringen, die mit der Qualität der alten Gemälde ohne weiteres mithalten können.

Fassadenkunst Bernhard Rieger
Bernhard Rieger

Wie die alten Lüftlmaler interpretiert Rieger mit seiner Kunst Geschichten aus dem Leben. Rieger: „Ich befasse mich immer mit dem Haus, seinen Bewohnern, seinem Umfeld und der Region und lasse das in meine Gestaltung einfließen.“ Auf der roten Fassade des Rheinischen Hofes hat er den Generationenkonflikt der Hotelierfamilie künstlerisch auf der Fassade dargestellt. Riegers Wandgemälde passen, an den Gestaltungsprinzipien der entsprechenden Region orientiert, auch in andere Gegenden Deutschlands: Ein Auftraggeber vom Rhein, der seit vielen Jahren Gast im Werdenfelser Land ist, wollte ein aufwendiges Fassadengemälde aus seiner „zweiten Heimat“ an seinem Haus haben. Rieger erfüllte ihm den Wunsch, bezog aber die regionale Tradition ein: In Rhöndorf bei Bonn, in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Wohnhauses von Konrad Adenauer, prangt daher die für die Region typische St. Hubertusszene an der Wand: Ein Jäger, dem ein Hirsch mit Kreuz im Geweih erscheint. Lüftlmalerei als bayerischer Kulturexport.

Bernhard Rieger
Bernhard Ludwig Rieger
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Adresse: Walchenseestraße 6, 82494 Krün
Tel: +49 (0)8825 921 7030
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E-Mail: info@alpenterieur.com
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Web: http://www.alpenterieur.com
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