Populäres Wahrzeichen einer der ältesten Städte Deutschlands

Augsburger Puppenkiste

Populäres Wahrzeichen einer der ältesten Städte Deutschlands

Augsburger Puppenkiste

Der Kistendeckel öffnet sich, der Vorhang geht auf: Im Heilig-Geist-Spital in Augsburg treibt ein fieses Männlein aus dem Walde sein Unwesen. Wird die Königin rechtzeitig seinen Namen erraten oder muss sie ihm ihr Kind geben? Die Kinder im Publikum fiebern gebannt mit.

Im Nachmittagsprogramm der Augsburger Puppenkiste läuft das bekannte Märchen „Rumpelstilzchen“. Gekonnt werden die Marionetten über die Bühne unter den Jochbögen der ehemaligen Kapelle geführt, so lange, bis sich die Kiste wieder schließt: Diese gilt als Markenzeichen des Puppentheaters – seit nunmehr 69 Jahren.

Weltbekanntes Puppentheater made in Augsburg

In der Puppenkiste trifft sich alles und jeder: Etwa 80 Prozent der Besucher stammen aus Augsburg und Bayern – der Rest aus Deutschland und der ganzen Welt. Die Augsburger Puppenkiste ist eine echte Stadtverführung: „Viele Menschen verbinden die Puppenkiste mit der Stadt Augsburg und die Stadt Augsburg mit der Puppenkiste. Sie ist zum festen Bestandteil der Region geworden“, sagt Klaus Marschall, der das Theater seit 1992 leitet.

'Die Puppenkiste ist zum festen Bestandteil der Region geworden.'

Die Anfänge der Augsburger Puppenkiste gehen auf das Jahr 1943 zurück. Während des Zweiten Weltkriegs baut der Augsburger Schauspieler und Puppenfan Walter Oehmichen sein erstes eigenes Theater für Marionetten, den sogenannten „Puppenschrein“. Dieser besteht aus einem einfachen Türrahmen und einem Tisch, der als Bühne dient. Nachdem der „Puppenschrein“ bei einem Bombenangriff ein Jahr später zerstört wurde, reift in Oehmichen die Vision von einem größeren und umfangreicheren Spielhaus. Im Februar 1948 ist es so weit: Er gründet die Augsburger Puppenkiste – das wohl bekannteste Puppentheater der Welt.

„Den Namen ‚Puppenkiste’ hatte sich mein Großvater ausgedacht, weil er ein transportables Theater erschaffen wollte – eine Kiste, aus der heraus man überall spielen konnte“, erklärt Klaus Marschall, der den Familienbetrieb nach seinem Großvater und seiner Mutter in der dritten Generation leitet.

Augsburger Puppenkiste: Über die Landesgrenzen hinaus bekannt

Neben den Kindervorstellungen am Nachmittag gibt es auch ein Abendprogramm für Erwachsene. Das Puppentheater spielt etwa 400 bis 420 Vorstellungen pro Jahr. Auf Tournee kommen noch einmal 100 bis 120 Auftritte dazu. Ob „Jim Knopf“ oder „das Urmel aus dem Eis“ – die Stars der Augsburger Puppenkiste sind Jung und Alt allseits bekannt. Berühmt wurden sie vor allem durch Fernsehproduktionen in den 60er, 70er und 80er Jahren – daran erinnert eine Dauerausstellung im hauseigenen Museum „die Kiste“.

Wie international die Augsburger Puppenkiste ist, zeigen halbjährlich wechselnde Sonderausstellungen mit Kisten und Figuren aus aller Welt. Klaus Marschall und sein Team sind mit verschiedenen Stücken und Programmen sogar im Ausland unterwegs: „Wir waren zum Beispiel in Japan, in den USA oder in den Arabischen Emiraten. Dieses Jahr haben wir eine Anfrage aus Rio de Janeiro bekommen, wo wir im Herbst auftreten wollen.“

Hinter den Kulissen

Eine Neuinszenierung hat eine Vorlaufzeit von mindestens einem Jahr. Vom Autor über den Regisseur und Bühnenbildner bis hin zum Puppenbauer: Das künstlerische Ensemble des Puppentheaters besteht aus 16 höchst kreativen Köpfen, die jeden Handgriff exakt aufeinander abstimmen.

'Jeder Puppenspieler ist gewissermaßen auch Schauspieler – nur mit anderen Mitteln.'

Kommt ein Stück auf die Bühne, schlägt die Stunde der Marionettenspieler: „Jeder Puppenspieler ist gewissermaßen auch Schauspieler – nur mit anderen Mitteln: Er hat nicht seine eigene Mimik und Gestik, sondern ein Spielkreuz mit zehn Fäden, über das er seiner Figur einen Charakter verleiht und Emotionen ausdrückt“, so Klaus Marschall. Für den Umgang mit Marionetten benötige man dem 55-Jährigen zufolge nicht nur Fingerfertigkeit, sondern auch jahrelange Übung.

Momentan bereitet sich das Ensemble auf eine Neuinszenierung der „Bremer Stadtmusikanten“ vor. Ob Theaterleiter Klaus Marschall auch die Puppen tanzen lassen wird? „Nur noch wenn Not am Mann herrscht oder wenn ich mir in einem meiner Lieblingsstücke mal wieder den Kick auf der Spielbrücke holen möchte.“ Man darf gespannt sein.

Augsburger Puppenkiste
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Adresse: Spitalgasse 15, 86150 Augsburg
Tel: +49 (0)821 450 345 0
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E-Mail: kontakt@puppenkiste.com
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Web: http://www.augsburger-puppenkiste.de
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