Winteraustreiben auf Bayerisch

Wenn die Aperschnalzer ihre Goaßln schwingen

Winteraustreiben auf Bayerisch

Wenn die Aperschnalzer ihre Goaßln schwingen

Saftig grüne Wiesen, durchzogen von leise rauschenden Flüssen, umrandet von imposanten Bergen: In der Region um Saaldorf-Surheim, im Rupertiwinkel, im Berchtesgadener Land läuft alles beschaulich ab – fernab vom Trubel der Großstädte. Doch schon von Weitem erklingt ein immer wiederkehrendes Schnalzen. Klänge von Peitschenschlägen durchbrechen die Ruhe und formen sich zu einer angenehmen Melodie. Es sind die Geißeln – genannt Goaßln – der Aperschnalzer. Eine Gruppe von festlich gekleideten Männern steht in einer Reihe. Sie schwingen drei Meter lange Peitschen in die Lüfte und bringen sie zum Knallen.

Das Aperschnalzen hat im Alpenvorland seit mehreren Jahrhunderten Tradition. Und noch immer schnalzen die Passen, wie die Gruppen genannt werden, mit großer Freude. Damit erhalten sie aktiv einen Teil der bayerischen Geschichte – wie auch Bernhard Kern: Der Bürgermeister von Saaldorf-Surheim ist erster Vorsitzender der Schnalzervereinigung Rupertiwinkel e.V.. Für ihn ist das Aperschnalzen nicht nur ein Teil der bayerischen Identität, sondern auch „ein starker Magnet: Jedes Mal, wenn die Aperschnalzer auftreten, sind mehr als tausend Zuschauer vor Ort“, so Kern.


 

Aperschnalzer: Peitschen gegen die bösen Mächte der Finsternis

Die Auftritte der Aperschnalzer haben einen besonderen Reiz – vor allem, da sie ausschließlich zwischen Weihnachten und der Fastenzeit stattfinden. „Würden wir zu einer anderen Zeit auftreten, hätte das mit dem ursprünglichen Brauch nichts mehr zu tun. Der Nikolaus läuft ja auch nicht im Sommer herum“, erzählt Bernhard Kern.

 

Dass die Aperschnalzer genau zu dieser Zeit ihre Goaßln schwingen, erklärt ihre Geschichte: Früher waren die Winter noch streng und hart: Elektrische Heizungen gab es nicht, genauso wenig wie Strom. Da begrüßten es die Menschen im Berchtesgadener Land, wenn die dunkle Jahreszeit endlich ein Ende hatte. Das Schnalzen sollte das beschleunigen: Durch die lauten Klänge der Peitschen vertrieben die Einwohner die bösen Geister der Kälte und der Finsternis.

Mit Jung und Alt zum Wettbewerb

Heute zählt vor allem der Traditionsgedanke: „Bei uns auf dem Dorf wachsen Kinder mit diesem Brauch auf“, erklärt Kern. „Wir haben das Glück, dass unsere Jugend sehr gerne mitmacht – Nachwuchsprobleme gibt es bei uns nicht.“ Er selbst kommt durch seine Vorfahren zum Schnalzen. Schon seine Eltern und Großeltern gehören zu den Aperschnalzern. Es sind Freundschaften und die Tradition, die alle Mitglieder verbinden und zusammenhalten.

Jährlich treten 1.700 Schnalzer der Salzburger und Bayerischen Seite gegeneinander an. Vor zahlreichen Zuschauern küren sie beim großen Rupertigau-Preisschnalzen die besten Aperschnalzer. Eine musikalische Begleitung braucht es nicht. „Wir machen die Musik (mit unseren Goaßln) selbst“, so Kern. Zudem würde das die sieben Preisrichter nur ablenken. „Sie schauen beim Schnalzen nicht zu, sie gehen und bewerten allein nach dem Gehör. Am Ende gewinnt die Gruppe, die den besten Takt und somit die beste ‘Musi‘ hat. Um einen genauen Eindruck zu gewinnen, braucht es eine Hörprobe“, erzählt er begeistert.

Auf der Internetseite www.schnalzen.de veröffentlicht er die nächsten Termine der Aperschnalzer und lädt herzlich dazu ein, die „größte Winterbrauchtumsveranstaltung“ mitzuerleben.

Schnalzervereinigung Rupertiwinkel e.V.

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Adresse: 83416 Saaldorf-Surheim
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Web: //www.schnalzen.de
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