Sehnsucht Kur
MÜNCHEN (by.TM, Februar 2010). „Ich weiß nicht, was wir noch an Beweisen bringen müssen, dass unsere Bäder endlich ernst genommen werden“, erzürnt sich der Präsident des Bayerischen Heilbäderverbandes (BHV), Klaus Holetschek. Es sei unfassbar, wie leichtsinnig mit hunderttausenden Arbeitsplätzen umgegangen werde und gleichzeitig die demografische Notwendigkeit auf qualifizierte Gesundheitsvorsorge kühl vom Tisch geweht werde. Alleine nach Bayern kamen 2009 nach Aussage des Statistischen Landesamtes fast vier Millionen Menschen mit über 21 Millionen Übernachtungen in die Heilbäder und Kurorte. „Wir stemmen rund 30 Prozent des gesamten Übernachtungsaufkommens im Freistaat“, so Holetschek. „Wir haben bisher jede strukturelle Änderung geschluckt und unsere Orte mit viel Energie auf die Zukunft eingeschworen – das belegen doch die Zahlen“, resümiert der BHV-Präsident. Im Krisenjahr ein Wachstum von 0,9 Prozent zu erreichen, verlange nach mehr Gehör auf Bundesebene.
Im Rahmen der Jahrespressekonferenz des bayerischen Wirtschaftsministers, Martin Zeil, mahnte Holetschek, gesunde Strukturen nicht aufs Spiel zu setzen. „Alle reden von der Förderung des ländlichen Raums, aber Reden bringt uns nicht zum Ziel.“ Unsere Orte stellen häufig die einzige gewerbliche Infrastruktur ganzer Regionen. Wie wichtig ein Umdenken im Bereich der Kur ist, belege aus Sicht des BHV auch die jüngste Unterschriftenaktion des Verbandes. In drei Wochen haben sich 20.000 Menschen für die Kur in Bayern ausgesprochen. „Es kann doch nicht sein, dass deutsche Kassen Kuren im Ausland finanzieren und der Normalbürger auf der Strecke bleibt. Unsere Kompetenzen im Gesundheitswesen suchen ihresgleichen.“ Absurd sei zudem, von längeren Lebensarbeitszeiten zu reden, Leistungsfähigkeit zum Wert Nummer 1 zu erheben und auf dem Weg dahin, die Menschen alleine zu lassen. „Daher fordern wir, dass die Kur wieder eine Pflichtleistung der Kassen werden muss! Unsere Zukunft wird durch ältere Menschen geprägt sein, diese fit zu halten, nicht zuletzt auch für einen sozialen Frieden, zur Schonung der Sozialkassen muss das erklärte Ziel sein.“ Der BHV sei zu Gesprächen bereit! Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder sprach sich kürzlich für eine Stärkung der Heilbäder und Kurorte aus. „Handeln muss Berlin – und zwar schnell“, wand sich Holetschek an den bayerischen FDP-Minister Zeil mit Hinblick auf seinen Parteifreund und Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler.
Gravierend sei neben der notwendigen Pflichtleistung auch eine rasche Vereinfachung auf dem Weg zur Kur. Der Bedarf, das Interesse seien immens, das Verfahren zur Beantragung einer Kur abschreckend. „Dem Weg zur Kur müssen wir dringend eine Verjüngungskur verpassen“, so der BHV-Präsident.
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