Brainstorming. Bis es nicht mehr geht.
Ray Sono geht im Rahmen der "24 Stunden von Bayern" neue kreative Wege.
Vier Arbeitskollegen am Frühstückstisch. In einem Viersternehotel. Mitten im Frankenwald, genauer gesagt im bayerischen Bad Steben, 30 Kilometer westlich von Hof. Es ist Sonntag, 9 Uhr. Und so richtig weiß noch keiner, wie er das, was er die letzten 24 Stunden erlebt hat, in Worte fassen soll. Nur eines ist allen klar: so viel haben die eigenen Köpfe und Schuhsohlen noch nie auf einer Wanderung um die Wette geraucht! Zwei Teammitglieder haben das 24 Stunden Kreativ-Wandern auf rund 70 Kilometern bewältigt. Die restliche Hälfte des Teams hat zwar früher aufgegeben, ist aber trotzdem stolz auf die eigene Leistung. Und das Beste: es hat sogar richtig Spaß gemacht! Aber der Reihe nach.
Kreativität ist in einer Internetagentur an der Tagesordnung. Und muss sich immer wieder neu erfinden. Am liebsten ohne Zeitdruck, ohne stickige Konferenzräume, gemeinsam mit Kollegen, die sich sonst nur in der Kaffeeküche begegnen. Ohne Chef. Und ohne Kunden. Im Alltag scheitert ein solches Vorhaben leider allzu oft an der Projektrealität. Manchmal müssen daher Impulse von außen kommen. In diesem Fall von der Bayern Tourismus Marketing GmbH, offizielle Marketinggesellschaft der bayerischen Tourismus- und Freizeitwirtschaft.
Diese hatte im April 2011 Unternehmen aus ganz Europa aufgerufen, sich als Kreativ-Team im Rahmen seiner Business-Reihe "Gipfeltreffen" für Kreativ24 mit einer spannenden, geschäftsrelevanten Aufgabenstellung zu bewerben und neben zwei Wellness-Hotel Übernachtungen exklusiv die Teilnahme am "längsten Meeting in freier Natur" inklusive Verpflegung, Ausrüstung und Massage, zu gewinnen. Alles im Rahmen des ebenso von Bayern Tourismus initiierten Events "24 Stunden von Bayern", das bereits zum dritten Mal stattfand – dieses Jahr im Naturpark Frankenwald.
"Die Idee, konzentriertes Arbeiten, gesunde Ernährung, Bewegung, und Entspannung zu einem einzigartigen, effektiven Tagungserlebnis zu verbinden, ist bereits in vielen unserer etablierten Angebote von 'Gesund Tagen' umgesetzt", so Kristina Bluemcke, Produktmanagerin der Tagungsmarke Gipfeltreffen. "Ein Novum allerdings ist es, im Rahmen einer 24-Stunden-Wanderung als Team "laufend" kreativ an einem Thema zu arbeiten", so Kristina Bluemcke.
Als kreativer Held durch die "Hölle"
Mit unserem Thema "Wie lassen sich Reiseerlebnisse ansprechend digital erfassen, darstellen und teilen" bekamen wir den Zuschlag zum Start ins Abenteuer. Und hatten nun ein Problem: wer aus der Travel & Touristik Unit traut sich, dieses Experiment am 19. Juni wirklich durchzuziehen? Wer ist fit genug? Rundmails wurden verschickt. Betreff: "Helden gesucht!".
Es hörte sich an wie der Ironman des Wanderns kombiniert mit mobilem Dauerbrainstorming: „Der Rund-um-die-Uhr-Marsch, ohne Schlaf und längere Erholungspausen, erfordert von den Teilnehmern Ausdauer und starken Willen.“, so die Einladung. Tatsächlich musste man die Unterlagen schon genauer durcharbeiten um zu verstehen, um was es geht.
Angeleitet von einer externen Kreativtrainerin soll das Ray Sono Team sich während der Wanderung intensiv austauschen, kreative Ideen sammeln, innovative Lösungsansätze für die Problemstellung finden und sich nebenbei auch noch besser kennen lernen.
Vier Touren führen unter anderem entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze entlang des grünen Bandes, eine davon fast 40 Kilometer von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang. Unterwegs laden zahlreiche Mitmachstationen und Events ein, die kulturellen Besonderheiten der Region kennenzulernen, wie eine kulinarische Schlemmermeile, regionale Handwerksmeister oder Erfrischung aus heilenden Quellen. Shuttle Busse stehen zum "Stationshopping" oder für Notfälle optional zur Verfügung.
Dann stand das Team fest. Und verließ am Freitagnachmittag das Münchner Büro, um Abends drei Stunden später in Bad Steben vom Bayern Tourismus Team freundlich am Hotel in Empfang genommen und anschließend auf den nächsten Tag eingestimmt zu werden. Auf dem Weg sind wir schon durch die "Hölle" gefahren (tatsächlich ein Ort kurz vor Bad Steben). Der teuflische Fußweg durch das Höllental und weiteren Herausforderungen aber lagen am nächsten Tag noch vor uns.
Abmarsch! Mit Rucksack, Block, Stift und Stirnlampe
Während die anderen Wanderfreunde sich auf die erste Strecke "Erlebnis Grünes Band“ unter Böllerschüssen im Stile eines Marathonstarts stürzen, klären wir zunächst im Kreis stehend die Ziele unserer ersten Kreativ-Etappe. Was wollen wir erreichen? Wie genau sieht das "Produkt" aus, an dem wir heute kreativ arbeiten möchten? Welche Kreativ-Techniken kennen wir und welche wollen wir ausprobieren? Wie muss das Umfeld aussehen, um wirklich gerne an einem Thema zu arbeiten?
Erst abschalten. Dann einschalten
Die größte Herausforderung ist zunächst, abzuschalten, anzukommen und die Natur auf sich wirken zu lassen. Kerstin Reinhard von Ray Sono: "Was für ein Szenario! Ich war so mit den Eindrücken des Frankenwalds und seiner Natur beschäftigt, dass es schwer war, sich sofort auf's Brainstorming zu konzentrieren". Dazu kommen wenig später die ersten Eindrücke der kulturellen Streckenprogramme, die der Tourismusverband Frankenwald und hunderte freiwillige Franken liebevoll organisiert haben. Highlights: Zeitzeugen, die am Ort des Geschehens über die spektakuläre Flucht zweier ostdeutscher Familien 1979 mit einem Heißluftballon berichten. Sogar der originale Ballonkorb wird extra aus dem örtlichen Museum geholt und aufgebaut.
Noch schaffen wir es nicht, Inspiration und Bewegung für neue kreative Gedanken zu nutzen. Auch das wird auf Zwischenstopps besprochen und eine Kursänderung beschlossen: Brainstorming in Zweiergruppen, Ergebnisse auf Blöcken festhalten und größere, freiere Phasen des Wanderns und Nachdenkens zulassen.
Und siehe da: nach ein paar Stunden teilen wir Schritt für Schritt Gedanken und beantworten Fragen, die noch nie gestellt worden sind. Jeder dieser Gedankenausflüge offenbart einen Perspektivenwechsel, der das Thema "Reiseerlebnis" neu beleuchtet: Müsste man die Bild-Dokumentation auf einer Reise nicht besser einem gebuchten Urlaubsfotografen anvertrauen? Schließlich fotografiert man ja auf seiner Hochzeit auch selten selbst. Und wie würde es sich anfühlen, pro Urlaub mit seiner Kamera nur 5 Fotos schießen zu können? Gibt es nicht doch Tricks, Erinnerungen an Geschmack, Geruch und Materialbeschaffenheit aufzuzeichnen? Stunde für Stunde schaffen wir es, uns eigenständig weiter auszutauschen. Wir sind im "Flow" und freuen uns nach den ersten 16 km auf das Mittagessen.
Ab durch das Höllental
Am Nachmittag folgt die zweite Strecke durch das Höllental. Die Strecke ist ebenso lang wie die erste, offenbart aber diesmal neben schöner Natur das kulinarische Highlight: die fränkische Schlemmermeile. Hier präsentiert die Region ihre besten Tropfen und Leckerbissen.
Beim Brainstorming erkennen wir gerade hier die Grenzen digitaler Aufzeichnung und fassen zusammen: das echte Leben hat die beste Auflösung, keine Zeitverzögerung und bedient alle Sinne! Es kann also bei der Lösung unserer Aufgabenstellung nur darum gehen, Urlaubserinnerungen digital in kleinen Häppchen wachzurütteln, anstatt dem Traum der "totalen emotionalen Erinnerung" hinterherzurennen. Idee: Der Ex-Urlauber ist der DJ seiner Erinnerungen, die "Plattensammlung" besteht aus Audios, Videos und Bildern. Erste Skizzen für eine iPhone-App entstehen auf einem Blatt Papier.
Auf der Burg Lichtenberg trifft sich die Gruppe schließlich zur Auswertung des Tages und gibt Feedback zu Kreativ24. Bei der Ankunft in Bad Steben ist der Akku leer.
Massage, bitte.
Der Geist ist noch willig. Unsere Beine erinnern uns jedoch daran, dass so mancher Wandertag genau jetzt um 18:00 Uhr beendet ist. Die letzte Wanderung "Rund um den Döbraberg" liegt jedoch noch vor uns. Mit 800 Höhenmetern und 37 Kilometern länger als die ersten beiden Strecken zusammen. Also ab zur Bein-Massage vor einem schnellen Abendessen, bevor es um 20:30 Uhr dem Sonnenuntergang und danach der finsteren Nacht entgegen geht.
Mit der Kreativtrainerin, die inzwischen die Gruppe verlassen hat, haben wir zuvor besprochen, in der Abenddämmerung weiter an unserem Thema arbeiten zu wollen. Wenige Kilometer später jedoch stellt sich in diesem Geh-Marathon bei uns allen immer häufiger die Frage "Geht's noch?". Den geistigen "Grenzerfahrungen" an der ehemaligen innerdeutschen Grenze folgen auf der Nachtwanderung nun körperliche Grenzerfahrungen mit Grüßen des inneren Schweinehunds im Hier und Jetzt. Internet, Arbeitsplatz, digitale Reiseberichte, Brainstorming – daran ist nicht mehr zu denken. Passend dazu: Funklöcher im Handy-Netz.
Wir unterhalten uns bei angeschalteten Stirnlampen über den Roman "So weit die Füße tragen" von Josef Martin Bauer und wie es sich wohl anfühlen muss, sich zu Fuß aus einem ostsibirischen Gefangenenlager nach Hause durchzuschlagen. Und zählen die Schritte bis zu der nächsten Station.
Die Gruppe verliert sich irgendwann. Das erste Zwitschern der Vögel im Morgengrauen und den Sonnenaufgang erlebt keiner von uns so richtig. Zwei von uns nehmen ein paar Stunden nach Mitternacht einen vom Veranstalter organisierten Shuttle-Bus zurück ins Hotel und fallen sofort ins Bett. Die anderen beiden legen in Trance die letzten Kilometer zu Fuß zurück. Schweigend. Mit sich selbst beschäftigt. Die Beine im Auto-Piloten.
Bastian Beyer: "Wir haben bis zum Sonnenaufgang innerlich auf Survival-Modus geschaltet. Dank Mitternachts-Suppe, einer zweite Massage, Verpflegung und Kaffee von unverwüstlichen Freiwilligen irgendwann zwischen 2:00 und 4:00 Uhr, sowie Prosecco um 6:00 Uhr an der vorletzten Station haben wir's tatsächlich geschafft!"
Ende gut. Alles gut.
Laut Umfragen stoßen gesundheitsorientierte Tagungen auf immer größeres Interesse bei Unternehmen. Gesucht sind innovative Angebote die Leistungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und echten Nutzen für die Beteiligten in Einklang bringen.
Ray Sono hat in diesem Rahmen im Frankenwald das Kreativ-Wandern für sich entdeckt und erlebt, welches enormes Potential im Verlassen eines "Think-Tanks" mit vier Wänden steckt. Erste Konzepte zur Aufzeichnung von Reiseerlebnissen wurden mittlerweile im Münchner Büro entwickelt. Und tatsächlich finden öfters "Meetings" zu Ideenfindungen auf der Theresienwiese nahe dem Münchner Office statt.
Team-Building, Motivation, Spaß, Sport, Abenteuer, Perspektivenwechsel – in der Summe hat all das spürbar mehr Wert für sich, die Kollegen und die Agentur. Ray Sono ist bereit für neue Abenteuer und hält bereits Ausschau nach neuen "kreativen" Wegen. Im Rahmen von "24h von Bayern", in München oder Umgebung.
Marius Müller, Marketing Manager bei Ray Sono




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